
Schlaganfall erkennen: Mit BE-FAST richtig handeln – denn jede Minute zählt!
Plötzlich hängt ein Mundwinkel herunter. Eine Person spricht undeutlich, sieht doppelt oder kann kaum noch das Gleichgewicht halten. Was jetzt? Abwarten, ein Glas Wasser anbieten oder lieber gleich handeln?
Die Antwort ist eindeutig: Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Rettungsdienst über die Notrufnummer 144 alarmieren!
Am 29. Oktober, dem Weltschlaganfalltag, machen wir auf einen medizinischen Notfall aufmerksam, bei dem jede Minute entscheidend sein kann. Wir zeigen dir, wie du einen Schlaganfall erkennst, weshalb das erweiterte BE-FAST-Schema besonders hilfreich ist und was du als Ersthelferin oder Ersthelfer tun kannst.
Schlaganfall: Ein Notfall, der jeden treffen kann
Ein Schlaganfall – in der Schweiz häufig auch Hirnschlag genannt – entsteht, wenn Teile des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden oder wenn ein Blutgefäss im Gehirn platzt und dadurch Hirnzellen absterben.
Man unterscheidet hauptsächlich zwei Formen:
- Ischämischer Schlaganfall: Ein Blutgerinnsel verschliesst ein Blutgefäss im Gehirn. Das ist mit rund 85 Prozent die häufigste Form.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Ein Blutgefäss reisst und verursacht eine Blutung im Gehirn.
Beide Formen sind medizinische Notfälle. Ohne ausreichende Sauerstoffversorgung können Nervenzellen rasch geschädigt werden.
Und nein: Ein Schlaganfall betrifft nicht ausschliesslich ältere Menschen. Das Risiko steigt zwar mit dem Alter, aber auch jüngere Erwachsene können betroffen sein.
Wie häufig sind Schlaganfälle in der Schweiz?
Nach Angaben der Schweizerischen Herzstiftung erleiden in der Schweiz jährlich rund 16'000 Menschen einen Hirnschlag.
Das entspricht ungefähr einem Schlaganfall alle 30 Minuten.
Ein Fünftel der Betroffenen verstirbt, rund ein Drittel lebt mit bleibenden Einschränkungen.
Umso wichtiger ist es, Warnzeichen zu kennen und rasch zu reagieren.
BE-FAST: Sechs Buchstaben, die Leben retten können
Vielleicht kennst du bereits das FAST-Schema zur Schlaganfallerkennung.
Wir gehen in unseren BLS-AED-SRC-Komplett-Kursen einen Schritt weiter und unterrichten das erweiterte BE-FAST-Schema.
Die beiden zusätzlichen Buchstaben B und E helfen dabei, weitere typische Schlaganfallsymptome zu erkennen – insbesondere solche, die beim klassischen FAST-Schema leichter übersehen werden.
B – Balance: Gleichgewicht
Hat die Person plötzlich Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht oder der Koordination?
Mögliche Warnzeichen sind:
- Plötzlich auftretender starker Schwindel
- Unsicherer Gang oder Gehunfähigkeit
- Plötzliche Koordinationsstörungen
Wichtig: Nicht jeder Schwindel bedeutet einen Schlaganfall. Plötzlich auftretende, ausgeprägte Gleichgewichtsstörungen können jedoch ein ernstes Warnzeichen sein.
E – Eyes: Augen
Sieht die Person plötzlich schlechter oder anders als gewohnt?
Achte insbesondere auf:
- Plötzlichen Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Doppelbilder
- Plötzlich auftretende andere Sehstörungen
Gerade Sehstörungen werden manchmal unterschätzt oder zunächst anderen Ursachen zugeschrieben.
F – Face: Gesicht
Bitte die Person zu lächeln.
Hängt ein Mundwinkel herunter? Wirkt das Gesicht plötzlich asymmetrisch?
Eine einseitige Gesichtslähmung oder Gefühlsstörung kann auf einen Schlaganfall hinweisen.
A – Arms: Arme
Bitte die Person, beide Arme gleichzeitig nach vorne zu strecken und oben zu halten.
Sinkt ein Arm ab? Kann ein Arm nicht richtig angehoben werden?
Eine plötzlich auftretende einseitige Schwäche oder Lähmung ist ein wichtiges Warnzeichen.
Auch Beine können betroffen sein.
S – Speech: Sprache
Bitte die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen.
Zum Beispiel: «Heute ist ein schöner Tag.»
Achte darauf, ob die Person:
- Undeutlich oder verwaschen spricht
- Wörter verwechselt
- Schwierigkeiten hat, einen Satz zu bilden
- Gesprochenes plötzlich nicht mehr versteht
Sprachstörungen können unterschiedlich ausgeprägt sein. Auch eine Person, die scheinbar normal spricht, kann einen Schlaganfall haben.
T – Time: Zeit
Jetzt zählt jede Minute!
Sobald eines dieser Warnzeichen plötzlich auftritt, gilt:
Sofort 144 anrufen. Nicht abwarten!
Merke dir möglichst genau, wann die Symptome begonnen haben oder wann die Person zuletzt ohne Beschwerden gesehen wurde.
Diese Information kann für die weitere Behandlung entscheidend sein.
Wichtig: BE-FAST ist eine Orientierungshilfe, kein diagnostischer Test. Nicht jeder Schlaganfall zeigt die beschriebenen Symptome. Auch plötzlich auftretende, ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen können ein Warnzeichen sein.
Warum ist BE-FAST besser als das klassische FAST-Schema?
Das klassische FAST-Schema konzentriert sich auf Gesicht, Arme, Sprache und Zeit.
Das ist hilfreich, berücksichtigt aber nicht alle typischen Warnzeichen.
Beim erweiterten BE-FAST-Schema kommen zwei wichtige Bereiche hinzu:
B – Balance: Plötzliche Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen.
E – Eyes: Plötzlich auftretende Sehstörungen.
Dadurch können insbesondere Hinweise auf Schlaganfälle im hinteren Hirnkreislauf besser berücksichtigt werden.
Das bedeutet nicht, dass mit BE-FAST jeder Schlaganfall erkannt werden kann. Aber das erweiterte Schema sensibilisiert für zusätzliche Warnzeichen und kann helfen, gefährliche Situationen früher zu erkennen.
Was tun bei einem Schlaganfall? Die wichtigsten Erste-Hilfe-Massnahmen
Du vermutest einen Schlaganfall? Dann solltest du folgendermassen vorgehen:
1. Sofort den Rettungsdienst alarmieren
Wähle in der Schweiz die 144. Beschreibe die Symptome und teile mit, dass du einen Schlaganfall vermutest.
2. Zeitpunkt der Symptome merken
Wann haben die Beschwerden begonnen? Wann war die Person zuletzt beschwerdefrei?
Diese Angaben sind für die medizinische Versorgung wichtig.
3. Die betroffene Person betreuen
Bleibe bei ihr, sprich ruhig und verständlich und vermeide unnötige körperliche Anstrengung.
Unterstütze eine sichere, angenehme Lagerung entsprechend dem Zustand der Person und den Anweisungen der Sanitätsnotrufzentrale.
4. Nichts zu essen oder zu trinken geben
Bei einem Schlaganfall können Schluckstörungen auftreten. Deshalb besteht die Gefahr, dass sich die betroffene Person verschluckt.
Gib auch keine Medikamente auf eigene Faust – insbesondere kein Aspirin. Nicht jeder Schlaganfall entsteht durch ein Blutgerinnsel.
5. Bewusstsein und Atmung überwachen
Kontrolliere regelmässig, ob die Person ansprechbar ist und normal atmet.
Wird sie bewusstlos, atmet aber normal, bringe sie in die stabile Seitenlage und überwache die Atmung.
Ist die Person bewusstlos und atmet nicht normal, beginne unverzüglich mit der Reanimation und befolge die Anweisungen der Sanitätsnotrufzentrale.
6. Den Rettungsdienst einweisen
Öffne nach Möglichkeit die Haustür, schalte das Licht ein und sorge dafür, dass die Rettungskräfte die betroffene Person schnell erreichen können.
Was du unbedingt vermeiden solltest
- Nicht abwarten, ob sich die Symptome bessern.
- Die betroffene Person nicht selbst ins Spital fahren, sondern 144 alarmieren.
- Keine Nahrung, Getränke oder Medikamente verabreichen.
- Die Person nicht zum Gehen oder zu körperlichen Tests zwingen.
- Nicht versuchen, anhand des BE-FAST-Schemas selbst eine Diagnose zu stellen.
Was ist eine TIA – und warum ist sie so gefährlich?
Stell dir vor, jemand kann plötzlich einen Arm nicht mehr richtig bewegen. Nach fünf Minuten ist alles wieder normal.
Also Entwarnung?
Nein!
Eine sogenannte transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn.
Sie kann dieselben Symptome wie ein Schlaganfall verursachen, auch wenn diese nach kurzer Zeit wieder verschwinden.
Eine TIA kann ein Warnsignal für einen bevorstehenden Schlaganfall sein.
Deshalb gilt auch hier: Sofort 144 alarmieren – selbst wenn die Beschwerden bereits wieder verschwunden sind.
Warum zählt bei einem Schlaganfall jede Minute?
Bei einem Schlaganfall können Nervenzellen durch die gestörte Blutversorgung geschädigt werden.
Je früher eine geeignete Behandlung beginnt, desto grösser können die Chancen sein, Hirngewebe zu retten und bleibende Einschränkungen zu vermindern.
In spezialisierten Stroke Units und Stroke Centers stehen je nach Schlaganfallart und individuellen Voraussetzungen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Bei bestimmten ischämischen Schlaganfällen können beispielsweise Medikamente zur Auflösung eines Blutgerinnsels oder kathetergestützte Verfahren zur Entfernung des Gerinnsels eingesetzt werden.
Welche Behandlung möglich ist, entscheidet das medizinische Fachpersonal nach entsprechenden Untersuchungen.
Für Ersthelfende ist vor allem eines wichtig:
Nicht selbst über die Behandlung nachdenken – sondern sofort den Rettungsdienst alarmieren.
Oder anders gesagt: Die medizinische Diagnostik überlassen wir den Profis. Den entscheidenden ersten Schritt kannst du aber bereits übernehmen.
Kann man einem Schlaganfall vorbeugen?
Nicht jeder Schlaganfall lässt sich verhindern. Es gibt jedoch verschiedene beeinflussbare Risikofaktoren.
Dazu gehören insbesondere:
- Bluthochdruck
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- Erhöhte Blutfettwerte
- Bewegungsmangel
- Starkes Übergewicht
- Bestimmte Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
- Übermässiger Alkoholkonsum
Regelmässige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Rauchverzicht und die Behandlung bestehender Erkrankungen können dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko zu reduzieren.
Wichtig ist auch, bekannte Risikofaktoren ärztlich kontrollieren und behandeln zu lassen.
Schlaganfall erkennen lernen – in unseren BLS-AED-SRC-Komplett-Kursen
Viele Menschen verbinden einen BLS-AED-Kurs hauptsächlich mit Herzdruckmassage, Beatmung und Defibrillation.
Das gehört selbstverständlich dazu. Aber medizinische Notfälle beginnen nicht immer mit einem Kreislaufstillstand.
Deshalb behandeln wir in unseren BLS-AED-SRC-Komplett-Kursen auch das Erkennen eines Schlaganfalls.
Dabei vermitteln wir das erweiterte BE-FAST-Schema und besprechen, wie du bei einem entsprechenden Verdacht richtig reagierst.
Denn Erste Hilfe bedeutet nicht nur, im Notfall etwas zu tun. Sie beginnt bereits damit, eine gefährliche Situation überhaupt zu erkennen.
Unsere Kurse sind praxisorientiert, verständlich und bieten genügend Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Und keine Sorge: Du musst kein medizinisches Wörterbuch auswendig lernen. Wir zeigen dir, worauf es wirklich ankommt. 😉
Du möchtest lernen, im Notfall sicherer zu handeln?
Entdecke unsere BLS-AED-SRC-Komplett-Kurse und unsere weiteren Angebote unter:
Unsere Kurse eignen sich sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen und weitere Organisationen.
Häufige Fragen zum Schlaganfall (FAQ)
Wie erkenne ich einen Schlaganfall?
Typische Warnzeichen sind plötzlich auftretende Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen, einseitige Gesichtslähmungen, Schwäche eines Arms oder Sprachstörungen. Das BE-FAST-Schema hilft, diese Symptome zu erkennen.
Was bedeutet BE-FAST?
BE-FAST steht für Balance, Eyes, Face, Arms, Speech und Time. Die Buchstaben erinnern an wichtige Schlaganfallsymptome und daran, bei Verdacht sofort den Rettungsdienst zu alarmieren.
Was ist der Unterschied zwischen FAST und BE-FAST?
BE-FAST erweitert das klassische FAST-Schema um Balance (Gleichgewicht) und Eyes (Augen). Dadurch werden zusätzliche Warnzeichen berücksichtigt, insbesondere bei Schlaganfällen im hinteren Hirnkreislauf.
Welche Notrufnummer gilt bei Schlaganfall in der Schweiz?
Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort 144 wählen. Die Sanitätsnotrufzentrale organisiert die notwendige Hilfe und gibt Anweisungen.
Kann ein Schlaganfall auch ohne Lähmung auftreten?
Ja. Ein Schlaganfall kann beispielsweise durch plötzliche Sehstörungen, ausgeprägte Gleichgewichtsstörungen oder andere neurologische Ausfälle auffallen. Nicht alle Betroffenen zeigen eine typische Gesichtslähmung oder Armschwäche.
Was tun, wenn die Schlaganfallsymptome wieder verschwinden?
Trotzdem sofort 144 alarmieren. Vorübergehende Beschwerden können auf eine TIA hinweisen und müssen dringend medizinisch abgeklärt werden.
Darf ich einer Person mit Schlaganfall Aspirin geben?
Nein, nicht eigenständig. Hinter den Symptomen kann auch eine Hirnblutung stecken. Die Entscheidung über Medikamente gehört in die Hände medizinischer Fachpersonen.
Wird das BE-FAST-Schema in Erste-Hilfe-Kursen unterrichtet?
Ja. Bei Medical Services Weimann vermitteln wir das BE-FAST-Schema in unseren BLS-AED-SRC-Komplett-Kursen als Teil des Erkennens und richtigen Handelns bei medizinischen Notfällen.
Unser Fazit zum Weltschlaganfalltag
Ein Schlaganfall kann jederzeit auftreten – zu Hause, bei der Arbeit, unterwegs oder mitten im Familienfest.
Du musst keine medizinische Fachperson sein, um die entscheidenden Warnzeichen zu erkennen.
Merke dir BE-FAST. Achte auf plötzlich auftretende Veränderungen. Und wähle im Verdachtsfall sofort 144.
Denn bei einem Schlaganfall gilt:
Lieber einmal zu viel alarmieren als eine entscheidende Minute verlieren. ❤️🚑
Medical Services Weimann GmbH – praxisnahe Erste-Hilfe-Ausbildung, SRC-zertifizierte Reanimationskurse und notfallmedizinische Fortbildungen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Untersuchung oder individuelle Beratung. Bei akuten Schlaganfallsymptomen sofort den Rettungsdienst über 144 alarmieren.
