Der Sanichlaus und der Einsatz, der in keinem Lehrbuch stand

Der Sanichlaus und der Einsatz, der in keinem Lehrbuch stand

Donnerstag, Dezember 24, 2026 Sanichlaus Weihnachtsgeschichte Rettungsdienst

Es war der 24. Dezember, 18:42 Uhr.

In der Rettungswache herrschte jene besondere Ruhe, die erfahrene Rettungssanitäter grundsätzlich misstrauisch macht.

Der Kaffee war heiss. Die Fahrzeuge waren kontrolliert. Die Dokumentation war erledigt. Und auf dem Tisch stand eine grosse Dose selbstgebackener Weihnachtsguetzli.

«Wenn das so weitergeht, erleben wir tatsächlich einmal einen ruhigen Heiligabend», sagte Rettungssanitäter Marco.

Seine Kollegin Sarah sah ihn entsetzt an.

«Marco! Du hast es ausgesprochen!»

«Was?»

«Das R-Wort!»

«Ruhig?»

«JETZT HAST DU ES SOGAR ZWEIMAL GESAGT!»

In diesem Moment ertönte der Alarm.

Sarah schaute Marco mit jenem Blick an, den man sonst nur von Menschen kennt, deren Lieblingskaffeetasse gerade zerbrochen ist.

«Du fährst.»

Ein ungewöhnlicher Einsatz

Die Einsatzmeldung lautete:

Unklare Situation. Älterer Mann in roter Kleidung. Auffälliges Verhalten. Mehrere Zeugen berichten von einem fliegenden Gegenstand. Standort: Weihnachtsmarkt.

Marco runzelte die Stirn.

«Alkohol?»

«Möglich», antwortete Sarah.

«Verwirrtheit?»

«Auch möglich.»

«Oder …»

Sarah unterbrach ihn: «Sag jetzt bitte nicht Weihnachtsmann.»

Wenige Minuten später erreichten sie den Weihnachtsmarkt.

Zwischen Glühweinständen, gebrannten Mandeln und festlich beleuchteten Tannenbäumen hatte sich eine Menschentraube gebildet.

In ihrer Mitte stand ein älterer Herr mit weissem Bart, rotem Mantel und einem grossen Sack auf dem Rücken.

Auf seinem Kopf trug er eine rote Mütze mit einem kleinen blauen Blinklicht.

«Grüezi mitenand!», rief der Mann fröhlich. «Endlich Verstärkung!»

Sarah blieb stehen.

«Sanichlaus?»

«Persönlich! Und ich habe ein kleines logistisches Problem.»

Marco betrachtete das Blinklicht.

«Ist das überhaupt zugelassen?»

«Natürlich!», antwortete der Sanichlaus. «Es blinkt seit 1987. Nur die Batterie muss ich gelegentlich wechseln.»

«Das beantwortet meine Frage nicht.»

«Dann frag besser nicht weiter.»

Das Problem mit dem Rentier

Der Sanichlaus führte die beiden hinter den Weihnachtsmarkt.

Dort stand ein Schlitten. Ein richtiger Schlitten. Mit Kufen, Geschenken und einer ziemlich beeindruckenden Beleuchtungsanlage.

Davor sass ein Rentier.

Es sah ausgesprochen unmotiviert aus.

«Das ist Rudolf», erklärte der Sanichlaus. «Normalerweise mein zuverlässigster Mitarbeiter. Aber seit einer halben Stunde bewegt er sich keinen Zentimeter mehr.»

Sarah kniete sich neben das Tier.

«Ist es verletzt?»

«Nein.»

«Hat es etwas Falsches gefressen?»

«Nicht dass ich wüsste.»

«Seit wann zeigt es dieses Verhalten?»

Der Sanichlaus überlegte.

«Seit ich ihm gesagt habe, dass wir heute Abend noch 147 Haushalte besuchen müssen.»

Marco verschränkte die Arme.

«Klingt nach einer klassischen Überlastungsreaktion.»

«Oder nach einem sehr vernünftigen Rentier», meinte Sarah.

Rudolf nickte.

Alle drei schauten ihn an.

«Hat das Rentier gerade genickt?», fragte Marco.

«Natürlich», antwortete der Sanichlaus. «Er versteht Schweizerdeutsch. Nur mit Walliser Dialekt hat er Mühe.»

Eine Diagnose mit Folgen

Sarah holte ihren Notizblock hervor.

«Also gut. Was haben wir?»

Marco begann aufzuzählen:

«Hohe Arbeitsbelastung. Zeitdruck. Unregelmässige Arbeitszeiten. Fehlende Pausen. Möglicherweise ungenügende Verpflegung.»

Der Sanichlaus wurde zunehmend still.

«Und?», fragte er schliesslich.

Sarah sah ihn ernst an.

«Sanichlaus, ich glaube, Rudolf hat kein medizinisches Problem.»

«Sondern?»

«Ein Führungsproblem.»

Marco musste sich an einem Laternenpfahl festhalten, um nicht laut loszulachen.

Der Sanichlaus wirkte betroffen.

«Aber ich habe doch extra einen Dienstplan gemacht!»

Er zog ein zerknittertes Blatt aus seiner Manteltasche.

Darauf stand:

18:00–23:59 Uhr: Geschenke verteilen.

00:00–00:05 Uhr: Pause.

00:06 Uhr: Weiterarbeiten.

Sarah betrachtete den Plan.

«Fünf Minuten Pause?»

«Mit Möglichkeit zur Verlängerung!»

«Um wie viel?»

«Zwei Minuten.»

Marco schüttelte den Kopf.

«Da hätten wir bei Medical Services Weimann aber einiges zu beraten.»

Die Sache mit dem AED

Während sie diskutierten, näherte sich ein kleiner Junge.

Er zeigte auf den grossen roten Rucksack des Sanichlaus.

«Hast du da Geschenke drin?»

«Nein, mein Junge. Das ist mein medizinischer Notfallrucksack.»

«Und was ist das?»

Der Junge zeigte auf einen gelben ZOLL AED 3, der am Schlitten befestigt war.

«Das ist ein Defibrillator», erklärte der Sanichlaus.

«Kann der Rudolf wieder zum Fliegen bringen?»

Marco verschluckte sich beinahe an seinem Kaffee, den er inzwischen irgendwo organisiert hatte.

«Nein», sagte Sarah freundlich. «Ein AED ist für Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand gedacht. Nicht für müde Rentiere.»

Der Junge dachte kurz nach.

«Dann braucht Rudolf vielleicht einfach Ferien.»

Der Sanichlaus schaute ihn an.

Dann Rudolf.

Dann seinen Dienstplan.

«Weisst du was?», sagte er. «Ich glaube, du hast recht.»

Rudolf stand auf.

Schüttelte sich.

Und begann zufrieden an einem Tannenzweig zu knabbern.

«Unglaublich», murmelte Marco. «Die schnellste erfolgreiche Intervention des Abends. Ohne Medikamente, ohne Infusion und ohne Transport.»

Sarah grinste.

«Manchmal hilft eben Zuhören.»

Ein unerwarteter Auftrag

Gerade als die beiden zurück zum Rettungswagen gehen wollten, hielt der Sanichlaus sie auf.

«Moment! Ich brauche noch eure Hilfe.»

Marco seufzte.

«Jetzt kommt's.»

Der Sanichlaus zog drei kleine Päckchen aus seinem Sack.

«Die sind nicht für Kinder. Sie sind für Menschen, die heute Abend arbeiten.»

Sarah betrachtete die Geschenke.

«Für wen?»

«Für die Pflegefachfrau, die heute zum dritten Mal Weihnachten im Dienst verbringt.»

Er legte ein Päckchen auf den Schlitten.

«Für den Feuerwehrmann, der gerade seine Familie verlassen musste, weil irgendwo ein Brandmelder Alarm ausgelöst hat.»

Ein zweites Päckchen.

«Und für die Polizistin, die heute Nacht unterwegs ist, damit andere sicher feiern können.»

Das dritte Päckchen.

Marco wurde still.

Der Sanichlaus lächelte.

«Ich verteile jedes Jahr Tausende Geschenke. Aber manchmal vergessen wir die Menschen, die dafür sorgen, dass andere überhaupt unbeschwert feiern können.»

Sarah nickte langsam.

«Das stimmt.»

«Und deshalb», fuhr der Sanichlaus fort, «habe ich dieses Jahr eine besondere Route geplant.»

Er zeigte auf eine Karte.

Darauf waren Rettungswachen, Pflegeheime, Spitäler, Polizeiposten und Feuerwehrdepots eingezeichnet.

Marco staunte.

«Das ist ja eine halbe Schweiz!»

«Eben. Und Rudolf streikt.»

«Verständlich», meinte Sarah.

Operation Weihnachtsfreude

Eine halbe Stunde später sass der Sanichlaus im Aufenthaltsraum der Rettungswache.

Vor ihm lag ein neuer Einsatzplan.

Sarah hatte ihn erstellt.

Mit Pausen.

Mit realistischen Zeitfenstern.

Und mit einem grossen roten Vermerk:

KEINE ÜBERSTUNDEN FÜR RUDOLF!

Marco hatte inzwischen eine andere Idee.

«Warum verteilen wir die Geschenke nicht dort, wo wir ohnehin vorbeikommen?»

Der Sanichlaus strahlte.

«Eine dezentrale Weihnachtslogistik!»

«Nenn es, wie du willst.»

«Mit optimierten Prozessen!»

«Wenn du unbedingt möchtest.»

«Und klaren Verantwortlichkeiten!»

Sarah lachte.

«Jetzt klingt er wie ein Qualitätsmanager.»

Der Sanichlaus nickte zufrieden.

«Ich habe schliesslich schon über 1'700 Jahre Berufserfahrung.»

«Dann wird es höchste Zeit für eine Prozessoptimierung», erwiderte Sarah.

23:47 Uhr – Ein letzter Besuch

Spät am Abend führte der letzte Weg des Sanichlaus zu einem kleinen Pflegeheim.

Im Aufenthaltsraum sass eine ältere Dame allein am Fenster.

Die meisten Bewohner schliefen bereits.

Eine Pflegefachfrau räumte gerade die letzten Kaffeetassen weg.

Als der Sanichlaus eintrat, lächelte die Dame.

«Du kommst aber spät.»

«Ich weiss. Der Verkehr war schwierig.»

«Mit dem Schlitten?»

«Du glaubst gar nicht, wie voll die Luft über Zürich an Weihnachten ist.»

Die Dame lachte leise.

Der Sanichlaus setzte sich zu ihr.

«Was wünschst du dir zu Weihnachten?»

Sie überlegte lange.

«Eigentlich nichts.»

«Gar nichts?»

«Vielleicht … dass jemand ein bisschen bei mir sitzt.»

Der Sanichlaus legte seinen Sack ab.

Setzte sich bequemer hin.

Und blieb.

Zehn Minuten.

Zwanzig Minuten.

Eine halbe Stunde.

Sie sprachen über frühere Weihnachten, über ihre Familie und über die Zeit, als man Geschenke noch mit Packpapier und Schnur einwickelte.

Irgendwann fragte die Dame:

«Musst du nicht weiter?»

Der Sanichlaus schüttelte den Kopf.

«Nein. Heute nicht mehr.»

«Und die anderen Geschenke?»

Er lächelte.

«Die sind verteilt.»

Draussen wartete Rudolf geduldig.

Zum ersten Mal an diesem Abend ohne jede Eile.

00:12 Uhr – Zurück auf der Rettungswache

Als Sarah und Marco von ihrem letzten Einsatz zurückkehrten, stand auf dem Tisch eine neue Guetzlidose.

Daneben lag ein handgeschriebener Zettel.

Liebe Sarah, lieber Marco

Danke für eure Hilfe. Ich habe heute etwas Wichtiges gelernt.

Man kann nicht jede Aufgabe schneller erledigen. Manche Dinge brauchen einfach Zeit.

Und manchmal ist das schönste Geschenk kein Päckchen, sondern ein Mensch, der da ist.

Frohe Weihnachten!

Euer Sanichlaus

P. S.: Rudolf hat jetzt vier Wochen Ferien. Ich suche noch eine Stellvertretung. Führerausweis Kategorie B genügt leider nicht.

Marco las den Zettel zweimal.

Dann nahm er ein Guetzli.

«Weisst du, Sarah …»

«Ja?»

«Vielleicht war das heute gar kein so schlechter Heiligabend.»

Sarah lächelte.

«Nein. War er nicht.»

Eine kurze Pause entstand.

Dann ertönte der Alarm.

Marco schloss die Augen.

Sarah griff nach ihrer Jacke.

«Komm. Weihnachten macht schliesslich keine Pause.»

Und irgendwo hoch über den verschneiten Dächern flog ein roter Schlitten durch die Nacht.

Diesmal ganz langsam.

Ohne Blaulicht.

Und mit einem ausgesprochen zufriedenen Rentier.

Frohe Weihnachten von Medical Services Weimann! ❤️🚑

Allen Menschen, die über die Feiertage für andere da sind, wünschen wir möglichst ruhige Dienste, sichere Einsätze und zwischendurch einen Moment, der das Herz wärmt.

Und allen anderen: Geniesst die gemeinsame Zeit. Denn manchmal ist das schönste Weihnachtsgeschenk einfach, füreinander da zu sein.

Diese Weihnachtsgeschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Rettungsdienst-Schichtplänen sind selbstverständlich rein zufällig. 😉

Autor: Tobias Weimann mit Unterstützung von ChatGPT

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